Schüler*innen-Kongress

2. Schüler*innen-Kongress
der Barbara-Schadeberg-Stiftung 2022

Schülerinnenkongress Barbara-Schadeberg-Stiftung - Gruppenfoto Teilnehmerinnen

Gemeinsam etwas bewegen - interreligiöse Gespräche

2. Schüler*innen-Kongress in Kassel vom 07.-09. März 2022

Vom 7. bis 9.März 2022 trafen sich 40 Schülerinnen und Schüler im CVJM-Tagungshaus in Kassel-Wilhelmshöhe zum zweiten Schüler*innen-Kongress. Unter Beachtung der Pandemieregeln (Impf-/Genesungsstatus, Maskenpflicht, tägliche Tests) lernten die teilnehmenden Schülergruppen zahlreiche Initiativen und Projekte zum interreligiösen Gespräch mit ihren jeweiligen Vertreter*innen kennen, so u.a. Robina Lajin von der Assyrisch-christlichen Jugend, Naela und Alexandra von „Meet a Jew“ (Rhein-Main), Modjgan Bidardel und Ruchita Pernau von den Baha’i Nordhessen, Simon Beckmann aus Gießen und Dilek und Sanel aus Offenbach.

In Workshops konnten sie mit Leila und Ayham von den Interreligious peers und mit Herrn Örs und Frau Hirsch vom Berliner „House of One“ sowie mit Mirja Kon-Thederan vom „Garten der Religionen, Karlsruhe“ arbeiten. Auch an Theateraufführungen waren die Schüler*innen beteiligt, unter anderem beim lebhaften Stück „meschugge“ der DRK-Jugend Offenbach, die ein „Interventionstheater“ machten, indem sie die Schüler*innen in jede Szene aktiv einbezogen und nach Vorschlägen suchten, wie das Stück weitergehen soll. Auch die „bubales“-Puppenbühne von Shlomit Tripp aus Berlin konnte begeistern. Beim Workshop der Abrahamischen Teams, die ein Naturschutzprojekt zum Thema „Bienen“ vorstellten, konnten sie sich selber in kleinen Szenen ausprobieren.

Wie beim 1. Kongress für Schülerinnen und Schüler zeichnete sich Jürgen Junker für Programm, Organisation und Durchführung verantwortlich, die durchgängig gelobt wurde. In zahlreichen Rückblicken haben die Schülergruppen darüber berichtet, was sie begeistert hat und wo sie besondere Anregungen bekommen haben, vermitteln exemplarisch die nachfolgenden Feedbacks.

Schülerinnenkongress Barbara-Schadeberg-Stiftung
Interventionstheater: "meschugge" der DRK-Jugend

Die Reaktionen der Schüler*innen

„Wir mochten den 2. Schülerkongress sehr und hatten das Gefühl, in den drei Tagen viel gelernt zu haben. Am besten fanden wir die Diskussionsrunde am Dienstag und „Meet a Jew“ am Mittwoch, wegen der Möglichkeit, Angehörigen der Religion direkt viele Fragen stellen zu können. Auch fanden wir das Theaterstück „Meschugge“ gut.“ S. Seibert (Bad Marienberg)

„Der SchülerInnenkongress in Kassel hat uns großen Spaß gemacht. Es war interessant mit den beiden unterschiedlichen Gruppen zu arbeiten. Wir haben uns rundherum wohl gefühlt: die Unterkunft, das Essen, das ganze Ambiente. Es war alles prima organisiert und das Programm spannend. Kassel war wirklich ein Erlebnis und eine tolle Möglichkeit für das Team den Workshop anzubieten und zu erproben.“
Stephanie Krauch, Referentin Abrahamische Teams

„Die Durchführung war großartig und hat tiefgreifende neue Erkenntnisse bei unseren Schülern und Schülerinnen ermöglicht.“
Frau Schlenvoigt, Ev. Gymnasium Lippstadt

„Vielen Dank dafür, dass unsere Schülerinnen und Schüler in Kassel dabei sein und sich einbringen konnten. Frau Constantin (Anmerkung: Begleitende Lehrerin) kam ebenso wie die Jugendlichen sehr beschwingt zurück und teilte den Eindruck der gelebten Offenheit sowie Diskussionsfreude während der Veranstaltung. Insbesondere aus künstlerischen Darbietungen wurde viel Input mitgenommen. Etwas mehr Zeit zwischen den Veranstaltungen zum Austausch wäre gewünscht gewesen, ansonsten gab es für die Organisation und Inhaltliches nur Lob.“ Frau Diersch, Ev. Regelschule Gotha

„Wir hatten die Möglichkeit an Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops rund um das Thema religiöse Vielfalt teilzunehmen. Hierbei hatten wir die Möglichkeit ganz neue Religionsgemeinschaften kennenzulernen: Etwa das Bahaitum oder die Gruppe Assyrischer Christen. Auch lernten wir mehr über bekannte Religionen: So klärte „Meet a Jew“ Vorurteile über Juden und Jüdinnen auf, oder uns wurden jüdische Feiertage und jüdisches Leben in Deutschland näher gebracht. Andere Projekte zeigten aktiv wie Religionen zusammenarbeiten können, wie das „House of One“ in Berlin, das eine jüdische, christliche und muslimische Gemeinde in ein Gotteshaus bringt, oder der „Garten der Religionen“ in Karlsruhe, in dem sieben Religionsgemeinden zu besichtigen sind.
Greta, Maja, Yasmin, Ev. Gymnasium Bad Marienberg

Gemeinsam etwas bewegen – Evangelisches Gymnasium Bad Marienberg (evgbm.net)

Wir haben viele neue Informationen über den Glauben in den verschiedenen Religionen erhalten. Der Schüler*innenkongress hat uns vielfältige Möglichkeiten des Dialogs zwischen den Religionen aufgezeigt.“
Elisabeth Vogel (9b) und Frau Demut (Spalatin-Gymnasium)

https://www.spalatin-gymnasium.de/schulleben/projekte/2-schuelerkongress-der-barbara-schadeberg-stiftung-in-kassel-vom-07-09-maerz-2022.html

Erfahrungsbericht der Schüler*innen der Melanchthon-Schule Steinatal:

Im Rahmen vieler interessanter Workshops und facettenreicher Diskussionen gingen wir gemeinsam mit weiteren rund 40 Schüler*innen der Frage nach, wie ein gelingendes und respektvolles Miteinander von Menschen unterschiedlicher Religionen in unserem Alltag stattfinden und gelingen kann. Die Chance im Rahmen des Kongresses uns mit einer Vielzahl von Experten*innen auszutauschen sowie den Kontakt zu anderen Schüler*innen evangelischer Schule aufzunehmen weckte unser Interesses und wir freuten uns sehr auf die vor uns liegenden Begegnungen.

Direkt am Montag hatten wir die Möglichkeit, den von uns vorbereiteten Workshop zur Thematik des „House of One“ aus Berlin, vorzustellen. Bei diesem in Planung befindlichen Projekt geht es darum, den drei monotheistischen Weltreligionen (Judentum, Christentum und Islam) einen gemeinsamen Ort zu bieten. Ganz konkret ist das Gebäude, welches von außen nicht als Kirche, Gotteshaus oder Moschee zu erkennen ist, so konzipiert, dass jede Religion einen eigenen Raum hat und ein vierter Raum als Begegnungsort wirken soll. Alle Türen der übrigen drei Räume führen in diesen Innenraum, In diesem Raum soll sich die Vielfalt der Weltreligionen entfalten können, denn eine stabile weltoffene Gesellschaft braucht einerseits Einheit innerhalb bekannter Strukturen, aber auch die Möglichkeit die Vielfalt der Welt abzubilden.

Im Verlauf des ersten Tages hatten wir zudem noch die Möglichkeit, uns über das jüdische Leben in Deutschland auszutauschen. Hier erfuhren wir eine Menge Hintergrundwissen und erweiterten so unser bereits vorhandenes Wissen. Diese Begegnung wurde im Verlauf des Kongresses noch durch den Workshop „Meet a Jew“ ergänzt. Diesen Workshop bewerten wir im Rückblick als besonders gewinnbringend, da die beiden jungen Jüdinnen, die mit uns ins Gespräch gekommen sind, ultrasympathisch waren und uns sehr offen und ehrlich von ihrem jüdischen Alltag berichteten. Auch hier stellten wir fest, wie nah unsere Lebenskonzepte in vielen Bereichen doch sind. Diese Erfahrung können weder Filme noch Bücher ersetzten – wir waren uns alle einig, dass eine Begegnung dieser Art als sehr wertvoll einzuschätzen ist für uns und unser späteres Leben.

Besonders gefallen hat uns auch das organisierte Abendprogramm der Theatergruppe „Meschugge“, welches von fünf jungen Menschen, verschiedener Religionen, durchgeführt wurde. Diese stellten schwierige Situationen dar, welche ihnen im Alltag widerfahren sind und suchten gemeinsam mit uns Lösungen, wie in solchen Situationen friedlich gehandelt werden kann. Im Anschluss daran bekamen wir die Möglichkeit, offene Fragen zu klären, die Darsteller*innen besser kennenzulernen und ausführlicher über das Geschehene und allgemein das Projekt zu sprechen. Dies gab uns das Gefühl, eine Möglichkeit über den Umgang mit Diskriminierung gefunden zu haben und wir hatten großes Interesse daran. Nach dem Ende der Veranstaltung kamen wir als Gruppe noch einmal dazu mit einzelnen Darsteller*innen, welche sehr sympathisch waren, ins Gespräch zu kommen und sie nahmen sich viel Zeit für uns. Die Begegnung mit „Meschugge“ war sehr besonders für uns und wir sind dankbar dafür, dass wir dies erleben durften.“

Schülerinnenkongress - Collage der Melanchton Schule Steinatal
Schülerinnenkongress - Collage der Melanchton Schule Steinatal

Charlotte Bickert, Elias Krabbenhöft, Kimberly Mussmann, Anne-Sophie Schneider und Lea Stiel (E-Phasen Schüler*innen der Melanchthon-Schule Steinatal), Begleitende Lehrkraft: Anke Kurz

Jüdischen Alltag und jüdische Symbole kennenlernen

1. Schüler*innen-Kongress der Barbara-Schadeberg-Stiftung

Die Idee

"Wie können wir Hass und Ausgrenzung in unserer Gesellschaft entgegentreten?"

Unter dieser Überschrift und mit dieser zugleich persönlichen Fragestellung fand am 25./26. März der 1. Schüler*innen-Kongress der Barbara-Schadeberg-Stiftung statt, der sich an aktive Schüler*innen in evangelischen Schulen richtete. Schon vorab hatten sich Schülergruppen mit ihren betreuenden Lehrer*innen aus folgenden Schulen angemeldet:

  • Evangelisches Gymnasium Bad Marienberg (Hessen-Nassau),
  • Melanchthon-Schule Steinatal (Kurhessen-Waldeck),
  • Evangelische Regelschule Gotha, Schulzentrum Mühlhausen und Spalatin-Gymnasium Altenburg (EKM- Evangelische Kirche in Mitteldeutschland) sowie
  • die fränkischen Wilhelm-Löhe-Realschule Nürnberg, die Laurentius-Realschule und das Laurentius-Gymnasium Neuendettelsau (Evangelisch-lutherische Kirche Bayern).

Die Idee des Kongresses bestand darin, die aktiven Schüler*innen mit engagierten Fachleuten und jungen Menschen in einen Austausch zu bringen, die, zum Teil wenig älter, bereits eigene Erfahrungen in Politik und Gesellschaft gemacht haben. Welche Wege sehen sie für ein gelingendes Miteinander, für mehr Menschlichkeit und Würde? Was sind ihre Anliegen, wie sieht ihre Praxis aus? Welche Vorschläge können sie einbringen? 

Aufgrund der pandemischen Situation wurde aus dem geplanten „Face to Face Austausch“ eine digitale Veranstaltung, die in der Immanuelskirche Bochum ihr technisch-organisatorisches Standbein hatte. Einige Gesprächspartner nutzten die Gelegenheit, um persönlich nach Bochum anzureisen und – unter Einhaltung der geltenden Distanzbedingungen – direkt dabei zu sein.

Digitale Veranstaltung in der Immanuelskirche Bochum

Die Vorbereitung

(Besuche, inhaltliche Absprachen mit den Schülern)

Mit der Kongressorganisation beauftragt war Jürgen Junker, Lehrer im Rhein-Main-Raum und zuvor Leiter des Programms Politische Bildung der Evangelischen Schulstiftung Erfurt. Er sprach im Vorfeld mit den Schülergruppen, teils vor Ort in den Schulen persönlich, teils digital auf Videokonferenzen, um Aktivitäten und Interessen der Lernenden zu ermitteln und auf dieser Grundlage die Einzelheiten des Programms zusammenzustellen und Gesprächspartner zu den Themenbereichen zu finden. 

Organisator Jürgen Junker
Kongress-Organisator Jürgen Junker in der Immanuelskirche

Das Programm

(Die Durchführung)

Die beiden Kongresstage sahen vor, sich 1. mit den Themen „Hate speech“ und Gewalt und unseren Reaktionsmöglichkeiten darauf zu beschäftigen, 2. mit Vorurteilen und Rassismus, 3. mit der Frage der Lebensrettung flüchtender Menschen im Mittelmeer und dem Engagement der Kirche dabei sowie 4. mit den Motivationen junger Menschen trotz Rückschlägen aktiv zu sein.

Zu den Gesprächspartnern beim Thema 1 gehörten Axel Schröder von der Initiative „hessengegenhetze“ aus Wiesbaden, der Nürnberger Journalist Christian Urban und der Erfurter Franz Zobel von der Opferhilfe „ezra“.

Bei Thema 2 konnten sich die Teilnehmer mit Mirjam Elomda, Aktivistin in der deutschen „black lives matter“-Bewegung, und der Journalistin Mo Asumang und ihrem Film „Mo und die Arier“ auseinandersetzen.

Beim 3. Thema diskutierte man mit der Fotografin Alea Horst und dem Pfarrer Rafael Nikodemus, der in der Rheinischen Landeskirche auch den Kontakt zu seawatch-4 hält.

Am 4. Thema waren Dr. Andreas Hollstein von der CDU Altena, Maurice Conrad von der Grünen Liste Mainz, Hulda Kalhorn von der Alternativen Liste Greifswald, Hibba Kauser von der SPD Offenbach sowie zwei Aktive aus dem Dannenröder Forst beteiligt.

Schülergruppen übernahmen bei allen Themen die Präsentation der Gesprächspartner, sowie Einleitung und Gesprächsführung. Über die Chatfunktion, aber auch mündlich, konnten sich an den beiden Tagen alle anderen direkt einschalten.

Alle Fotos vom Kongress: Wolfgang Wedel

Die Reaktionen der Schüler*innen

(Beiträge von den Homepages)

Die sehr positiven Reaktionen der beteiligten Schüler*innen kamen rasch und gezielt am Ende des Kongresses, mit verschiedenen Postings. Im Anschluss kam nach wenigen Tagen auch das Feedback aus den Schulen, oft von den betreuenden Lehrer*innen an die Organisatoren weitergegeben. Den beteiligten Schüler*innen hatten die Themen des Kongresses, die Diskussionen, die Gesprächspartner mit ihrem Engagement und den vielfältigen Aktivitäten und nicht zuletzt ihre eigene Mitarbeit gut getan. Auch die Gesprächspartner waren spontan voll des Lobs über die vorbereiteten und betreuenden Schülergruppen, die Fragen und Diskussionsbeiträge sowie über die Gesamtorganisation des Kongresses. Zusätzlich haben fast alle Schülergruppen kurze Berichte mit eigenen Fotos verfasst und auf ihre Schul-Homepage gestellt. Hier eine Auswahl: 

Aufrecht stehen gegen Hass und Ausgrenzung – Evangelisches Gymnasium Bad Marienberg (evgbm.net)

Erster digitaler Schüler*innen Kongress der Barbara-Schadeberg-Stiftung (melanchthon-schule.de)

Gegen Hass und Zwietracht (laurentius-gymnasium.de)

Schadeberg-Kongress: Aufstehen gegen Ausgrenzung und Hass (laurentius-realschule.de)

Schulleben an der MS (wls-nbg.de)

Ein Ausblick

Angesichts des sehr positiven Feedbacks aller Beteiligten ist die Barbara-Schadeberg-Stiftung dabei zu überlegen, einen zweiten Schüler*innen-Kongress durchzuführen.

Dass politisch-gesellschaftliche Bildung zum Kernauftrag aller Schulen und zu einem zentralen Anliegen evangelischen Bildungswesens gehört, ist dabei selbstverständlich. Was dazukommen muss und was beim ersten Kongress offenbar gelungen ist, ist das Interesse und das Engagement von Schülerinnen und Schülern zu bündeln und direkt in Planung und Umsetzung eines Kongresses einzubeziehen. Ebenso wichtig ist es Gesprächspartner zu finden, die wirklich Gesprächspartner sind.

Letztlich wird so ein Raum dafür geschaffen, dass sich Lernende ab dem 13./14.Lebensjahr schulform-, lernform- und schulübergreifend treffen und mit politisch und gesellschaftlich Aktiven zusammenkommen. Dass sie selbst politisch-gesellschaftlich in ihren Schulen bereits aktiv sind und welche weiteren Potentiale hier schlummern, können sie im Austausch erleben und miteinander diskutieren.